
Schurwolle (Virgin Wool) – was ist das?
Schurwolle, auch als Virgin Wool bezeichnet, ist Wolle aus neuer Schur, deren Fasern zuvor nicht in einem anderen Textilprodukt verwendet wurden. Der Begriff bezeichnet also weder eine bestimmte Schafrasse noch eine einzelne, genau definierte Faserart, sondern die Herkunft des Rohstoffs. Im Gegensatz zu regenerierter beziehungsweise recycelter Wolle wird sie nicht aus zurückgewonnenen Fasern hergestellt. Dieser Unterschied kann sich auf Qualität, Haltbarkeit und Tragekomfort des fertigen Produkts auswirken. Schurwolle zeichnet sich außerdem durch hohe Elastizität und besondere Weichheit aus.
Wenn du Materialzusammensetzungen vergleichst, Kleidung aus natürlichen Materialien suchst, Bekleidung produzierst oder Wollprodukte einfach besser pflegen möchtest, findest du hier die wichtigsten Informationen. Wir erklären, was Schurwolle genau ist, wovon ihre Qualität und Eigenschaften abhängen, wie sie sich von anderen Wollarten unterscheidet, wofür sie verwendet wird und wie Produkte aus diesem Material gepflegt werden sollten.
Auch der häufig verwendete Begriff „erste Schur“ sollte genauer betrachtet werden. Lammwolle aus der ersten Schur junger Schafe ist eine eigene Rohstoffkategorie und kann besonders fein sein. Nicht jede Schurwolle stammt jedoch aus der ersten Schur. Die Begriffe werden manchmal synonym verwendet, obwohl sie nicht genau dasselbe bedeuten.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Schurwolle und wie unterscheidet sie sich von gewöhnlicher Wolle?
- Eigenschaften von Schurwolle – Haltbarkeit, Weichheit und Tragekomfort
- Schurwolle, Lammwolle und andere Wollarten – die wichtigsten Unterschiede
- Verwendung von Schurwolle in Bekleidung und Textilien
- Wie pflegt man Produkte aus Schurwolle?
- Kratzt Schurwolle und ist sie eine gute Wahl? Vor- und Nachteile
Was ist Schurwolle und wie unterscheidet sie sich von gewöhnlicher Wolle?
Einfach gesagt stammt Schurwolle aus neuer Schur. Ihre Fasern wurden zuvor nicht zu einem fertigen Produkt verarbeitet und anschließend für eine erneute Verwendung zurückgewonnen. Genau das unterscheidet sie von recycelter Wolle. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie frei von allen Stoffen ist, die während der Produktion verwendet werden. Rohwolle durchläuft verschiedene Verarbeitungsschritte, darunter Reinigung, Spinnen und Färben.
Virgin Wool ist keine Bezeichnung für eine Schafrasse. Die Qualität des Materials hängt unter anderem vom Faserdurchmesser, der Faserlänge, der Art des Spinnens und der Konstruktion des fertigen Gewebes oder Gestricks ab. Deshalb können sich zwei Produkte aus Schurwolle hinsichtlich Weichheit, Aussehen und Widerstandsfähigkeit deutlich unterscheiden.
Ähnlich verhält es sich mit Lammwolle. Dieser Begriff bezieht sich auf Wolle von jungen Schafen, während Virgin Wool in erster Linie neue, zuvor nicht verwendete Fasern bezeichnet. Eine erste Schur kann daher gleichzeitig Schurwolle liefern, aber nicht jede Schurwolle stammt aus der ersten Schur.
Eigenschaften von Schurwolle – Haltbarkeit, Weichheit und Tragekomfort
Die Eigenschaften von Schurwolle beruhen zu einem großen Teil auf der natürlichen Struktur der Wollfaser. Wolle ist elastisch, formstabil und knitterarm. Ihre Fasern können sich wiederholt biegen und anschließend in ihre ursprüngliche Form zurückkehren, was zur Haltbarkeit des Materials beiträgt.
Ist Schurwolle warm? Ja, allerdings nicht jede Wolle im gleichen Maß. Wolle isoliert gut und besitzt thermoregulierende Eigenschaften, da ihre Struktur Luft einschließt. Gleichzeitig können die Fasern Wasserdampf aufnehmen und so dabei helfen, unter wechselnden Bedingungen ein angenehmes Körperklima zu erhalten. Viel hängt jedoch von der Stärke der Fasern und der Konstruktion des Gewebes oder Gestricks ab.
Auch die Weichheit spielt eine wichtige Rolle. Ob sich Wolle angenehm auf der Haut anfühlt, hängt vor allem vom Durchmesser der Fasern ab. Je feiner die Fasern sind, desto geringer ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit, dass das Material kratzt. Sehr feine Wollfasern können deshalb auch für Kleidung geeignet sein, die direkt auf der Haut getragen wird.
Auf die Frage „Kratzt Schurwolle?“ gibt es daher keine allgemeingültige Antwort. Entscheidend sind die konkreten Eigenschaften des Garns. Wenn besonders hohe Weichheit wichtig ist, lohnt es sich, auf feine Wollarten mit niedrigem Mikronwert zu achten.
Wolle besitzt außerdem eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen die Aufnahme von Gerüchen. Auch Schurwolle weist antibakterielle Eigenschaften auf. Ihre Fasern nehmen Feuchtigkeit auf und ermöglichen der Haut zu „atmen“, sodass Kleidungsstücke länger frisch bleiben und nicht so häufig gewaschen werden müssen.
Schurwolle, Lammwolle und andere Wollarten – die wichtigsten Unterschiede
Verschiedene Wollarten unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Herkunft, Faserdicke und Eigenschaften. Schurwolle unterscheidet sich von regenerierter Wolle dadurch, dass sie ein neuer Rohstoff ist. Aufgrund der Qualität der Fasern wird sie geschätzt und kann teurer sein als andere Wollqualitäten. Regenerierte Wolle wird dagegen aus Fasern hergestellt, die aus bereits vorhandenen Textilprodukten zurückgewonnen wurden.
Lammwolle bezieht sich auf das Alter des Tieres — Schafe sind bei der Schur üblicherweise etwa 6–7 Monate alt — und nicht darauf, ob die Faser zuvor bereits verwendet wurde. Sie kann aus der ersten Schur eines Lamms stammen und wird deshalb häufig mit besonderer Feinheit verbunden. Lammwolle kann von jedem Schaf nur einmal gewonnen werden. Ihre Eigenschaften hängen unter anderem von der Region und der Schafrasse ab, weshalb es auch deutliche Preisunterschiede gibt. Man sollte jedoch nicht davon ausgehen, dass jede erste Schur Fasern mit identischen Eigenschaften hervorbringt.
Andere Wollarten können ganz unterschiedliche Einsatzbereiche haben. Merinowolle wird für ihre feinen Fasern und ihre Weichheit geschätzt und deshalb auch für Kleidung verwendet, die direkt auf der Haut getragen wird. Gröbere Fasern eignen sich besser für robustere Materialien, beispielsweise für Mäntel oder Heimtextilien. Ebenfalls bekannt und geschätzt ist Kaschmir, eine Faser, die von Kaschmirziegen stammt. Schurwolle vom Schaf kann preiswerter sein und dennoch eine vergleichbare Feinheit erreichen.
Wenn du mehr über die Herkunft des Rohstoffs erfahren möchtest, lies auch, was mulesingfreie Merinowolle bedeutet und welche Bedeutung die RWS-Zertifizierung hat.
Verwendung von Schurwolle in Bekleidung und Textilien
Aus Schurwolle werden sowohl Strickwaren als auch Gewebe hergestellt. Ihr Einsatz hängt von den Eigenschaften der Fasern und der Produktionsweise ab. Sie kann für Mützen, Schals oder Pullover verwendet werden. Bei höherem Flächengewicht eignet sie sich auch gut für Mäntel. Aus entsprechend verarbeiteten Wollgeweben entstehen außerdem Sakkos und komplette Anzüge.
Ein feineres Gewebe oder Gestrick aus zarten Fasern kann leichter und angenehm weich sein und dadurch einen hohen Tragekomfort bieten. Dickere Materialien isolieren stärker und können für Oberbekleidung verwendet werden. Merinowolle wird außerdem für Sportbekleidung eingesetzt, darunter Funktionsunterwäsche, Socken und Baselayer.
Diese Vielseitigkeit gehört zu den großen Stärken von Wolle. Richtig ausgewählte Wolle kann gleichzeitig leicht und bequem sein, während ihre natürlichen Eigenschaften zur Herstellung langlebiger Produkte beitragen.
In der Praxis nutzen wir die verschiedenen Eigenschaften von Wolle sowohl in unserer Damenbekleidung als auch in unserer Herrenbekleidung.
Wie pflegt man Produkte aus Schurwolle?
Die wichtigste Regel ist einfach: Wolle sollte nicht unnötig gewaschen werden. Durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Gerüche reicht es häufig aus, das Kleidungsstück auszulüften. Die natürlichen Eigenschaften der Wolle können außerdem Verschmutzungen reduzieren und die Entfernung kleiner Flecken erleichtern. Weniger häufiges Waschen hilft dabei, die Eigenschaften des Materials länger zu erhalten.
Vor dem Waschen solltest du immer das Pflegeetikett prüfen. Nicht jedes Wollprodukt kann auf die gleiche Weise gewaschen werden. Manche Produkte benötigen Handwäsche, andere verfügen über eine spezielle Ausrüstung, die Maschinenwäsche ermöglicht. Bei KOPYTO findest du sowohl pflegeintensivere Produkte als auch solche mit der Kennzeichnung total easy care. Mehr dazu findest du in unserem Ratgeber zum Waschen von Wolle.
Für empfindliche Produkte eignet sich lauwarmes Wasser. Schurwolle sollte nach dem Waschen nicht ausgewrungen werden. Stattdessen sollte überschüssiges Wasser vorsichtig ausgedrückt und das Kleidungsstück — sofern vom Hersteller empfohlen — liegend getrocknet werden. Beim Trocknen sollte übermäßige Feuchtigkeit vermieden werden. Gebügelt werden sollte bei niedriger Temperatur.
Wer diese einfachen Regeln beachtet, unterstützt die Langlebigkeit des Materials und sorgt dafür, dass es über eine lange Zeit in gutem Zustand bleibt.
Kratzt Schurwolle und ist sie eine gute Wahl? Vor- und Nachteile
Schurwolle hat viele praktische Vorteile. Sie ist ein natürlicher und erneuerbarer Rohstoff. Wollfasern sind biologisch abbaubar und setzen beim Abbau keinen Mikroplastik frei, was für die Umwelt von Vorteil ist. Zu ihren Eigenschaften gehören außerdem Elastizität, gute Isolation, Feuchtigkeitsregulierung und biologische Abbaubarkeit.
Sie hat jedoch auch Nachteile. Besonders an Stellen mit hoher Reibung kann Pilling entstehen. Nicht jede Wolle ist gleich weich, und ihre Pflege erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als die mancher synthetischer Fasern. Auch der Preis kann höher sein, insbesondere bei besonders feinen und hochwertigen Fasern.
Außerdem sollte man bedenken, dass Schurwolle nicht automatisch die verantwortungsvollere Wahl als recycelte Wolle ist. Wiedergewonnene Wolle kann den Bedarf an neuem Rohmaterial reduzieren. Wie verantwortungsvoll ein Material tatsächlich ist, hängt vom gesamten Produktionszyklus ab.
Mehr darüber, wie wir Rohstoffe auswählen und Verantwortung für Produktion und Produkte übernehmen, erfährst du auf unserer Seite Verantwortung und in unserem Manifest einer nachhaltigen Marke.
Bei der Auswahl eines Produkts lohnt es sich deshalb, mehr als nur eine einzelne Bezeichnung auf dem Etikett zu betrachten. Entscheidend sind Materialzusammensetzung, Faserdicke, Produktionsweise, Pflege und die tatsächliche Nutzungsdauer eines Kleidungsstücks. Gerade die lange Nutzung — und nicht allein die Bezeichnung des Materials — hat direkten Einfluss auf seine Umweltwirkung.


























